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2

Zusammenfassung

Diese Fragebogenstudie im Querschnittsdesign untersucht das Nutzungsverhalten und

die dahinterliegenden Motive sowie partnersuche ab 16 jahren schweiz die Partnerwahlkriterien junger Erwachsener im 21.

Jahrhundert als Nutzer der Dating-Applikation Tinder. Die Grundlage dieser empiri-

schen Arbeit besteht in dem Gedanken, dass sich die Nutzungshäufigkeit und -motive

sowie die Partnerwahlkriterien hinsichtlich des Geschlechts und des Beziehungsstatus

der Nutzer unterscheiden. Darüber hinaus besteht die Annahme, dass den Nutzungsmo-

tiven und Partnerwahlkriterien eine faktorielle Struktur zugewiesen werden kostenlos per sms flirten kann. Die

Stichprobe besteht aus 47 Tinder-Nutzern im Alter von 18­33 Jahren. Die Rekrutierung

erfolgte online über das soziale Netzwerk Facebook. Für die Datenerhebung wird ein

eigens konzipierter Fragebogen erstellt, der sowohl die Tinder-Nutzung und die

dahinterliegenden Motive als auch die Partnerwahlkriterien erfasst. Um mögliche Pro-

banden mit der Neigung zu sozial erwünschten Antworten zu vermeiden, wurde der

Fragebogen durch eine Lügenskala auf Basis einer Modifikation der Sozialen-

Erwünschtsheits-Skala-17 nach Stöber (1999) ergänzt. Für die Prüfung der Hypothesen

werden t-Tests für unabhängige Stichproben, einfaktorielle Varianzanalysen sowie

explorative Faktoranalysen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass signifikante Un-

terschiede für manche Nutzungsmotive sowie für einige Partnerwahlkriterien im Hin-

blick auf das Geschlecht und den Beziehungsstatus vorliegen. Den Nutzungsmotiven

konnte darüber hinaus eine faktorielle Struktur mit vier Faktoren zugewiesen werden,

wobei dies bei den Partnerwahlkriterien nicht möglich war.


3

Abstract

This cross-sectional study investigates the usage behavior and the motives of young

adults with regard to the Tinder dating application, as well as the partner choice criteria

of this group in the 21

st

century. This research is based on the hypothesis that the fre-

quency with which young adults use this application, their motives for doing so, and

their partner choice criteria differ depending on their gender and relationship statuses.

This research is based on the assumption that the usage motives and the criteria of part-

ner choice can be allocated a structure. A total sample of 47 Tinder users participated in

this study. The users who participated were between 18 and 33 years of age and were

recruited entirely online through the Facebook social media network. The study is con-

ducted via a survey that was specifically developed for this research: It measures the

respondents' Tinder usage and their motives for doing so, as well as their partner choice

criteria. To avoid participants who may have a tendency to provide socially acceptable

answers, the survey is amended by means of a specially developed lying scale, which is

based on the social desirability scale-17 (SDS-17) developed by Stöber (1999). In order

to test the hypothesis, t-tests for independent samples, a one-way analysis of variance

and an explorative factor analysis are performed. The results indicate a number of dif-

ferences in the usage motives and the criteria of partner choice with regard to the sub-

jects' gender and relationship statuses. The usage motives can be allocated a factorial

structure with four factors, which was not possible for the criteria of partner choice.


4

I

Inhaltsverzeichnis

II

Abbildungsverzeichnis... 6

III

Tabellenverzeichnis... 7

IV

Abkürzungs- und Formelzeichenverzeichnis... 8

1

Einleitung... 9

2

Theoretischer Hintergrund... 10

2.1

Partnersuche in der Vergangenheit... 11

2.1.1

Evolutionärer Ansatz zur Partnerwahl... 12

2.1.2

Partnersuche am Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts... 14

2.2

Partnersuche im technologischen Zeitalter... 15

2.2.1

Begriffsbestimmung und Definition von Online-Dating... 16

2.2.2

Präferenzen bei der Partnerwahl... 18

2.2.3

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Partnerwahl... 20

2.2.4

Partnersuche 2.0 ­ Mobile-Dating... 21

2.3

Dating-Applikation Tinder... 23

2.3.1

Geschichte und Funktion... 23

2.3.2

Nutzungsverhalten und -motive... 26

2.3.3

Physische Attraktivität... 27

2.4

Risiken und Konsequenzen medialer Partnersuche... 28

2.5

Bisherige Forschung... 29

2.6

Forschungsfragen und Hypothesen... 31

3

Methodik... 32

3.1

Untersuchungsdesign und Durchführung der Datenerhebung... 32

3.2

Stichprobe... 33

3.3

Erhebungsinstrumente... 35

3.3.1

Tinder-Nutzung und Nutzungsmotive... 36

3.3.2

Partnerwahlkriterien... 37


5

3.3.3

Lügenskala auf Basis der SES-17... 39

3.3.4

Demographische Daten... 40

3.4

Datenanalyse... 41

4

Ergebnisse... 42

4.1

Deskriptive Statistiken... 42

4.2

Beantwortung der Forschungshypothesen... 53

4.2.1

Ergebnisse der ersten Hypothese... 53

4.2.2

Ergebnisse der zweiten Hypothese... 54

4.2.3

Ergebnisse der dritten Hypothese... 55

4.2.4

Ergebnisse der vierten Hypothese... 60

4.2.5

Ergebnisse der fünften Hypothese... 60

4.2.6

Ergebnisse der sechsten Hypothese... 61

5

Diskussion... 62

5.1

Interpretation und Diskussion der Ergebnisse... 63

5.2

Limitationen der Studie... 66

5.3

Fazit und Ausblick... 68

V

Literaturverzeichnis... 70

VI

Anhangsverzeichnis... 81


6

II

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Dreiecksmodell der Liebe nach Sternberg (eigene Darstellung nach

Döring, 2003)... 16

Abbildung 2: Boxplot Itemschwierigkeit Nutzung gesamt... 44

Abbildung 3: Boxplot zu Item N_12... 44

Abbildung 4: Boxplot zu Item N_01... 45

Abbildung 5: Boxplot zu Item NH_01... 45

Abbildung 6: Boxplot zu Item NH_01 im Geschlechtsvergleich... 46

Abbildung 7: Boxplot zu Item N_08 im Geschlechtsvergleich... 46

Abbildung 8: Boxplot zu Item N_09 im Geschlechtsvergleich... 47

Abbildung 9: Boxplot zu Item N_05 im Geschlechtsvergleich... 47

Abbildung 10: Boxplot zu Item NH_01 im Beziehungsstatus-Vergleich... 48

Abbildung 11: Boxplot zu Item N_03 im Beziehungsstatus-Vergleich... 49

Abbildung 12: Boxplot zu Item N_12 im Beziehungsstatus-Vergleich... 49

Abbildung 13: Boxplot Itemschwierigkeit Partnerwahlkriterien gesamt... 51

Abbildung 14: Boxplot zu Item P_05 im Geschlechtsvergleich... 52

Abbildung 15: Boxplot zu Item P_17 im Beziehungsstatus-Vergleich... 52


7

III Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Itemstatistik über die Nutzungs-Items anhand von Mittelwert,

Standardabweichung, Itemschwierigkeit... 43

Tabelle 2: Itemstatistik über die Partnerwahl-Items anhand von Mittelwert,

Standardabweichung, Itemschwierigkeit... 50

Tabelle 3: Zuordnung der Items auf die Faktoren (innerhalb der Faktoren sortiert nach

absteigendem Ladungsbetrag)... 58

Tabelle 4: Übersicht nichtsignifikante Mittelwertsvergleiche Nutzung nach Geschlecht

... 86

Tabelle 5: Übersicht nichtsignifikante Mittelwertsvergleiche Nutzung nach

Beziehungsstatus... 87

Tabelle 6: Übersicht nichtsignifikante Mittelwertsvergleiche Partnerwahlkriterien nach

Geschlecht... 88

Tabelle 7: Übersicht nichtsignifikante Mittelwertsvergleiche Partnerwahlkriterien nach

Beziehungsstatus... 89


8

IV Abkürzungs- und Formelzeichenverzeichnis

Abkürzungen

AV

=

Abhängige Variable

SDS-CM

=

Social Desirability Scale nach Crowne und Marlowe

SES-17

=

Soziale-Erwünschtheits-Skala-17

SPSS

=

Statistical Package for the Social Sciences

UV

=

Unabhängige Variable

Formelzeichen

=

Cronbach's Alpha

d

cohen

=

Effektgröße nach Cohen

F

=

Empirischer F-Wert der ANOVA

KMO

=

Kaiser-Meyer-Olkin-Maß

M

Mittelwert

ME

=

Median

N

=

Häufigkeit

p

=

Signifikanzwert

r

Korrelationskoeffizient nach Bravais-Pearson

=

Erklärte Streuung um den Gesamtmittelwert (ANOVA)

SD

=

Standardabweichung

t

=

empirischer t-Wert des t-Tests


9

1

Einleitung

Warum suchen die meisten Menschen ihr Leben lang nach einem geeigneten Partner?

Die menschliche Natur ist so geschaffen, dass wir nur dann überleben können, wenn

sich Mann und Frau vereinigen und sich fortpflanzen. Im Wandel der Zeit und beson-

ders durch die Expansion des Internets hat sich die Partnersuche über die Jahre erheb-

lich verändert. Unabhängig ob iPhone, Android oder Windows Phone; Smartphones

bieten heutzutage eine Vielzahl an Möglichkeiten, um sich mit anderen Menschen zu

vernetzen. Gerade bei jungen Erwachsenen sind diese Möglichkeiten aus dem alltägli-

chen Leben nicht mehr weg zu denken. Während die digitalisierte Form des Kennenler-

nens in der Vergangenheit noch als verrucht und unakzeptabel galt, gehört sie heute zu

einer der modernsten Möglichkeiten, um neue Menschen kennenzulernen. In diesem

Kontext erfreuen sich Applikationen, sogenannte Apps, stets wachsender Beliebtheit.

Diese Apps dienen als Kommunikations- und Interaktionsinstrumente, um sowohl mit

bekannten Personen aus dem näheren Umfeld Kontakt aufrecht zu erhalten als sich auch

mit fremden Personen, unabhängig von geographischen Distanzen, auszutauschen.

Auch um natürliche Bedürfnisse wie den Wunsch nach Zugehörigkeit und Liebe zu be-

friedigen können zahlreiche webbasierte Plattformen die ersten Weichen stellen. In die-

sem Kontext spielten zunächst vor allem klassische Online-Dating-Portale und Partner-

vermittlungen eine große Rolle. Im Hinblick auf die stetig wachsende Nutzung von

Smartphones wurden darüber hinaus Mobile-Dating-Apps konzipiert, die den Nutzern

die Möglichkeit bieten, unabhängig von Zeit und Ort nach potentiellen Partnern zu su-

chen. Vor allem die Dating-App Tinder, die vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin

Forbes als,,The world´s hottest app" (zitiert nach Apple Inc., 2017) betitelt wurde, ge-

wann in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren weltweit mehrere Millionen Nut-

zer. Den weiblichen als auch männlichen Nutzern dieser App bietet sich sowohl die

Option, nach Partnern für eine feste Beziehung zu suchen als auch lediglich sexuellen

Kontakt herzustellen. Das Phänomen Tinder wird allerdings eher als oberflächliches

und kritisches Medium angesehen. Grundannahme hierfür liegt in der Kontaktaufnah-

me, die ausschließlich durch die Beurteilung von Fotos erfolgt. Bis heute gibt es aller-

dings wenige empirische Befunde zu Tinder.

Aus den bisherigen Darstellungen und der oben skizzierten aktuellen Popularität von

Tinder stellt sich hinsichtlich der zu betrachtenden Thematik die zentrale Frage nach

dem Nutzungsverhalten und den Motiven dahinter. Die heutigen Partnerwahlkriterien


10

junger Erwachsener stellen dabei ebenfalls einen zentralen Aspekt dieser Arbeit dar.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob geschlechtsspezifische Unterschiede hinsicht-

lich der Partnerwahl und der Nutzungshäufigkeit sowie -motive existieren und welche

Rolle dabei der Beziehungsstatus der Nutzer spielt. Des Weiteren ist herauszufinden, ob

die Nutzungsmotive und die Partnerwahlkriterien zu Kategorien zusammengefasst wer-

den können. Ziel dieser Studie ist es, anhand von Tinder herauszufinden, wie sich die

Nutzung dieser App gestaltet und nach welchen Kriterien heutzutage ein Partner ausge-

wählt wird. Weiterhin wird untersucht, ob diesbezüglich geschlechtsspezifische Diffe-

renzen und Unterschiede in Bezug auf den Beziehungsstatus existieren und ob sich den

Motiven und den Partnerwahlkriterien eine Struktur zuordnen lässt.

Zur Beantwortung dieser Fragen wird die vorliegende Arbeit zunächst ist in fünf Teile

gegliedert. Den Anschluss an die Einleitung bilden die theoretischen Grundlagen. Ziel

dieses Kapitels ist es, die Herleitung der zu überprüfenden Hypothesen der empirischen

Forschung verständlich zu machen und eine Grundlage für die Forschungsfragen zu

schaffen. Zudem werden Ausschnitte aus dem bisherigen Forschungsstand gegeben, um

daraus die zu untersuchenden Forschungshypothesen ableiten zu können. Der dritte Teil

setzt sich aus der angewandten Methodik zusammen. Darunter fallen eine genaue Be-

schreibung der Durchführung und des Untersuchungsdesigns, der Stichprobe, der ver-

wendeten Erhebungsinstrumente sowie eine kurze Beschreibung des statistischen Vor-

gehens. Im vierten Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der Forschung dargestellt.

Dazu werden die deskriptiven Statistiken sowie die Ergebnisse der

Hypothesentestungen präsentiert. Den Schluss bildet die Diskussion, die eine Beschrei-

bung der Limitationen dieser Studie, eine Interpretation der Ergebnisse sowie ein Fazit

mit anschließendem Forschungsausblick für zukünftige Untersuchungen beinhaltet.

2

Theoretischer Hintergrund

Zunächst ist es von Relevanz, die theoretischen Grundlagen näher zu erläutern, um ein

Basiswissen für die empirische Untersuchung dieser Arbeit zu schaffen. Insgesamt glie-

dern sich diese Grundlagen in sechs Teile. Sie sollen einen Überblick über die zu be-

handelnde Thematik geben. Die Gliederung orientiert sich dabei am Titel der Arbeit.

Im ersten Teil wird die Partnersuche in der Vergangenheit thematisiert (vgl. 2.1). Neben

einer Definition von sozialen Beziehungen wird auch die Partnerwahl aus evolutions-

psychologischer Sicht betrachtet. Weiterhin wird die Partnersuche am Beispiel des 19.


11

und 20. Jahrhunderts vorgestellt. Der zweite partnersuche ab 16 jahren schweiz Teil befasst sich mit der Partnerwahl im

heutigen technologischen Zeitalter (vgl. 2.2). Es folgen zunächst eine Definition des

Online-Datings sowie eine Beschreibung der allgemeinen Partnerwahlpräferenzen jun-

ger Erwachsener. Ebenso werden diesbezüglich geschlechtsspezifische Differenzen auf-

geführt. Den Schluss dieses Teilbereichs bildet eine Erläuterung des Mobile Datings.

Der dritte Teil beschreibt die Dating-App Tinder (vgl. 2.3), ihre Geschichte und Funkti-

onsweise, die Nutzung sowie deren Motive. Im Anschluss daran folgt eine Erläuterung

der Rolle der physischen Attraktivität. Im vierten Teil werden mögliche Konsequenzen,

die sich aus der Nutzung medialer Partnersuche ergeben können, näher beleuchtet (vgl.

2.4). Der fünfte Teil der theoretischen Grundlagen bezieht sich auf die bisherige For-

schung der behandelten Thematik (vgl. 2.5), aus der im sechsten Teil die Forschungs-

hypothesen dieser Arbeit abgeleitet werden, die in der empirischen Forschung geprüft

werden (vgl. 2.6).

2.1

Partnersuche in der Vergangenheit

In allen Phasen der Menschheit hat der Mensch einen Partner gesucht, mit dem er sich

verbunden fühlt und eine Familie gründen kann. Die Art und Weise, wie ein Partner

gefunden wird und welche Funktionen eine Partnerschaft hat, hat sich in den letzten

Jahren einem erheblichen Wandel unterzogen. Aufgrund dessen ist es äußerst interes-

sant zu erfahren, wie sich Liebe und auch die Suche nach einem Partner früher gestalten

ließ. Zunächst ist es wichtig zu klären, was unter dem Begriff einer sozialen Beziehung

sowie einer Liebesbeziehung zu verstehen ist. Letzteres ist in der vorliegenden Arbeit

von Relevanz.

Eine soziale Beziehung zwischen zwei Personen besteht, wenn ein mehrfacher gemein-

samer Kontakt besteht und somit zeitgleich interagiert und kommuniziert wird (Döring,

2003). Zwischenmenschliche Beziehungen existieren in vielen verschiedenen Kontexten

wie beispielsweise in der Nachbarschaft, im Sportverein oder im Beruf. Nach der Theo-

rie von Baumeister und Leary (1995) sind Menschen als soziale Wesen dazu geboren,

soziale Beziehungen zu suchen, zu formen, zu pflegen sowie zu beschützen. Da Men-

schen einer sozialen Gemeinschaft angehören, helfen diese Beziehungen, sich nicht al-

leine zu fühlen. Baumeister und Leary (1995) beschreiben Beziehungen als natürliches

Bedürfnis des Menschen, das befriedigt werden muss. An dieser Stelle kann die Be-

dürfnishierarchie nach dem Humanisten Abraham Maslow (1943) zum Verständnis her-

angezogen werden. Diese Theorie dient auch als Grundlage für das Motivationskonzept


12

des Menschen, einen Partner zu finden. Maslow (1943) ist der Überzeugung, dass jeder

Mensch über grundlegende Bedürfnisse verfügt, die es zu befriedigen gilt, um eine ge-

sunde Entwicklung zu erreichen. Diese Bedürfnisse sind pyramidenartig in fünf Stufen

angeordnet. An erster Stelle der Pyramide stehen die biologischen Bedürfnisse, unter

die beispielsweise die Sexualität fällt. Die zweite Stufe beinhaltet das Bedürfnis nach

Sicherheit. Die dritte und in diesem Kontext relevanteste Stufe beschreibt das Bedürfnis

nach Bindung, Zusammengehörigkeit und zu lieben und geliebt zu werden. Die vorletz-

te Ebene setzt sich aus dem Bedürfnis nach Wertschätzung zusammen. Die fünfte und

höchste Stufe beschreibt die Selbstverwirklichung des Individuums (Maslow, 1943).

Bevor allerdings eine höhere Ebene erreicht werden kann, müssen zunächst die Bedürf-

nisse der vorherigen Stufe befriedigt werden (Chapman, 2011).

Laut Zimbardo und Gerrig (2008) lässt sich die in Ebene drei dargestellte zwischen-

menschliche Anziehung unter anderem durch Nähe, physische Attraktivität, Ähnlichkeit

und Reziprozität definieren. Um einen Vergleich zur heutigen modernen Partnersuche

zu erhalten, wird im Folgenden die Partnersuche aus vergangener Sicht thematisiert.

Dabei werden sowohl evolutionspsychologische Ansätze zur Partnerwahl als auch die

Partnersuche am Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts näher beschrieben.

2.1.1

Evolutionärer Ansatz zur Partnerwahl

Die evolutionäre Auslese hat in vielen Bereichen das menschliche Leben und Handeln

beeinflusst. Aus der Sicht der allgemeinen Evolutionstheorie verändern sich alle Orga-

nismen auf der Erde aufgrund einer Anpassung an die Umwelt (Frost, 2012). Im Prozess

der Partnersuche, auch intersexuelle Selektion genannt, wird ein Partner für eine längere

oder kürzere Zeitperiode auserwählt (Frost, 2012). Dieser hat grundsätzlich ein alleini-

ges Recht auf die Fortpflanzung und kann somit seine Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass

er die eigenen Gene an die nachfolgende Generation weitergeben kann. Dieser Erfolg

bei der Fortpflanzung wird durch die Fitness

1

eines Lebewesens bestimmt (Aronson,

Wilson & Akert, 2014). Hierbei spielt auch die Selektion durch den Sexualpartner eine

zentrale Rolle. Dieser hat spezifische Präferenzen im Hinblick auf bestimmte Merkmale

und Eigenschaften des Partners, die besonders für Stärke, Gesundheit und gute Gene

stehen (Frost, 2012). Mit der Zeit werden somit die populären Merkmale selektiert und

1

Aronson, Wilson und Akert (2014) definieren Fitness als die Fähigkeit, seine eigenen Gene an die fol-

gende Generation weiterzugeben.


13

in der Population verbreitet. Eigenschaften, die sich bei der Fortpflanzung nicht durch-

setzen können, gehen nach einiger Zeit in der Bevölkerung verloren (Frost, 2012). Auf-

grund dessen haben das Aussehen und die Beziehungen heutiger Lebewesen, unter an-

derem des modernen Menschen (Homo sapiens), ihren Ursprung in der evolutionären

Geschichte (Zrzavý, Storch, Mihulka, Burda & Begall, 2009). Viele Verhaltensweisen

und Merkmale sind das Ergebnis einer Anpassung vergangener Generationen (Frost,

2012).

Auch im Hinblick auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Partnerwahl existie-

ren interessante Vorhersagen aus evolutionspsychologischer Perspektive. Diese geht

davon aus, dass Frauen und Männer unterschiedliche Ziele verfolgen, da sie unter-

schiedliche Rollen während und auch nach der Fortpflanzung einnehmen (Aronson et

al., 2014). Da für Frauen die Erzeugung von Nachkommen sehr viel Zeit, Kraft und

Mühe kostet, suchen sie sich sorgfältig einen geeigneten Partner und Zeitpunkt aus und

paaren sich weniger häufig. Für sie ist die Fortpflanzung ein ernstzunehmendes Thema.

Neben Belastungen und Risiken der Schwangerschaft tragen Frauen in der Regel auch

die Hauptverantwortung für die Fürsorge ihrer Nachkömmlinge (Aronson et al., 2014).

Der Fortpflanzungserfolg wird für sie demnach in einer erfolgreichen Aufzucht erfasst,

der sich teilweise aufgrund der hohen Kosten und Gewährleistung des Überlebens

schwierig gestalten lässt. Dagegen ist die Fortpflanzung für Männer von einem kurzfris-

tigen und kostengünstigen Einsatz geprägt. Für sie liegt der Fortpflanzungserfolg im

Gegensatz zu den Frauen in einer großen Anzahl an Paarungen mit vielen Weibchen.

Die Quantität der Nachfahren soll so die Menge an überlebenden Jungen maximieren

(Aronson et al., 2014).

Ein weiterer relevanter evolutionärer Ansatz zur Entscheidung für einen bestimmten

Partner liegt in der Darstellung der eigenen äußeren Hinweisreize, also Aspekte einer

Person, die sie attraktiv erscheinen lassen (Aronson et al., 2014). Auch hier existieren

geschlechtsspezifische Differenzen. Frauen werden eher nach Männern suchen, die be-

rufliche und wirtschaftliche Leistungen aufweisen, um die benötigte Unterstützung und

Ressourcen für die Aufzucht zu erhalten. Männer dagegen werden auf das körperliche

Aussehen von Frauen reagieren, weil Alter und Gesundheit Indizien für die Fortpflan-

zungsfähigkeit darstellen (Buss, 1989). Viele Studien konnten diese Vorhersagen des

Psychologen David M. Buss bestätigen, worauf in Punkt (vgl. 2.2.3) näher eingegangen

wird.


14

Da im empirischen Teil dieser Arbeit die Partnersuche im 21. Jahrhundert untersucht

wird, ist es erforderlich, die Entwicklung der Partnerschaft im Laufe der Jahrhunderte

zu betrachten, um zu erkennen, dass mit diesen Veränderungen erst die Möglichkeiten

der modernen Partnersuche geschaffen wurden. Im Folgenden wird die Partnersuche am

Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts näher beleuchtet.

2.1.2

Partnersuche am Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts

Die Rollenverteilung von Mann und Frau veränderte sich im 19. Jahrhundert stark, so-

dass eine freie und ungebundene Suche nach einem Partner nicht denkbar war. Aus ei-

nem partnerschaftlichen Verhältnis von Frauen und Männern im 18. Jahrhundert entwi-

ckelte sich ein Unterordnungsverhältnis, bei dem das männliche Geschlecht eine domi-

nierende Rolle einnahm (Spree, 2011). Hauptsächlich ging der Mann arbeiten, um den

finanziellen Hintergrund der Familie zu sichern. Die Aufgaben der Frau bestanden da-

rin, sich um den Haushalt zu kümmern, ihren Partner zu unterstützen sowie sich um die

Erziehung der Kinder zu kümmern. Frauen wurden von gesellschaftlichen und vor allem

politischen Mitwirkungen ausgeschlossen (Budde, 1994). Diese Faktoren stellten für sie

eine große Schwierigkeit dar, in ihrer untergeordneten Rolle ein festes Selbstwertgefühl

zu entwickeln. Hinzu wirkte der Aspekt erschwerend, dass ein Altersunterschied zwi-

schen zehn und 15 Jahren bei der Eheschließung zu dieser Zeit die Regel darstellte (Ro-

senbaum, 1982). Der Grund hierfür lag primär im Wunsch der Eltern: Der potentielle

Partner ihrer Tochter sollte über ein gewisses Maß an Lebenserfahrung verfügen, über

das junge Frauen aufgrund ihrer strikten Einbindung in den Haushalt nicht verfügen

konnten (Rosenbaum, 1982). Zu dieser Zeit galt die Ehe dementsprechend als Mittel

zum Zweck und wurde stark durch äußere Komponenten beeinflusst, im Gegensatz zu

einer Partnerschaft, die einer bedingungslosen Liebe zugrunde liegt. Die soziale und

rechtliche Unterdrückung von Frauen traf am Ende des 19. Jahrhunderts erstmals auf

Widerstand. Dieser wurde allerdings durch den ersten Weltkrieg und den Nationalsozia-

lismus vor allem in Deutschland zunächst unterdrückt (Spree, 2011).

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Stimmen der Bewegung lauter und

Frauen forderten neben der klassischen Rolle innerhalb der Familie immer mehr gesell-

schaftliche Rechte. Des Weiteren wurde den Frauen durch die Entwicklung von techni-

schen Geräten das alltägliche Leben im Haushalt erleichtert, sodass sie nun mehr Zeit

für sich gewinnen konnten und aktiver wurden (Augst & Lendzian, 2010). Frauen fin-

gen an, mit Freundinnen auszugehen, mit denen sich die Möglichkeit ergab, bei Aktivi-


15

täten wie einem Besuch im Eiscafé oder bei einer Tanzveranstaltung Personen vom an-

deren Geschlecht kennen und später, bei gutem Verstehen, auch lieben zu lernen (Agen-

tur belmedia GmbH, 2012). Die Möglichkeit der konkreten Suche nach einem Partner

im Internet war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Der erste Kontakt fand somit im

echten Leben statt, wodurch das Gegenüber direkt kennengelernt werden konnte. Die

heutige technologisch geprägte Partnersuche, die häufig online stattfindet, bietet diese

Möglichkeit nicht.

2.2

Partnersuche im technologischen Zeitalter

Dieser Teil der theoretischen Grundlagen, der zur Beantwortung der Kernfrage der em-

pirischen Forschungsarbeit notwendig ist, befasst sich mit dem zentralen Thema dieser

Arbeit ­ der Partnersuche im 21. Jahrhundert bei jungen Erwachsenen. In den vergan-

genen zwanzig Jahren ist die Anzahl der Singles in Deutschland kontinuierlich gestie-

gen. Laut Statista GmbH gibt es 2015 ca. 16.875.000 Einpersonenhaushalte. Mit dem

Aufkommen der Emanzipation der Frau bekommt die Partnerwahl einen neuen gesell-

schaftlichen Stellenwert. Einen nicht unwesentlichen Aspekt spielt dabei aber auch die

Entwicklung und Bedeutung des Internets, dessen wesentliche Merkmale seine Ge-

schwindigkeit und Dynamik darstellen (Döring, 2003). Das Internet ist nicht nur ein

weltumspannendes Datennetz, sondern auch ein weit verbreitetes Kommunikationsmit-

tel geworden. Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich die Möglichkeit, einen Partner

kennenzulernen, auf das Prinzip der mediatisierten Partnersuche übertragen hat (Döring,

2003). Doch was bedeutet es, jemanden zu lieben und geliebt zu werden? Laut Stern-

berg (1986) lassen sich Liebesformen in drei Komponenten unterteilen: Intimität

(intimacy), Leidenschaft (passion) und Verbindlichkeit (commitment) (siehe Abbildung

1). Primär basiert eine kameradschaftliche Liebe auf der Intimität und Verbindlichkeit,

wobei dagegen bei der Vernarrtheit lediglich die Leidenschaft dominiert (Döring, 2003).


16

Abbildung 1: Dreiecksmodell der Liebe nach Sternberg (eigene Darstellung nach Döring, 2003)

In den folgenden Kapiteln werden zunächst der Begriff und die Definition des Online-

Datings näher erläutert. Daraufhin folgen die relevanten theoretischen Grundlagen der

Partnerpräferenzen bei jungen Erwachsenen. Darüber hinaus werden geschlechtsspezifi-

sche Unterschiede im Hinblick auf die Partnerwahl aufgegriffen, um einen Bezug zu

den Hypothesen dieser Arbeit herzustellen. Abschluss dieses Kapitels bildet die Erläute-

rung der Partnersuche 2.0 ­ das sogenannte Mobile-Dating.

2.2.1

Begriffsbestimmung und Definition von Online-Dating

Als Online-Dating oder auch Internet-Dating wird eine internetgestützte Form der Kon-

taktaufnahme bezeichnet (Skopek, 2012). Dieser Neologismus wird auch im deutschen

Sprachraum verwendet, da sich eine eindeutige Übersetzung schwierig gestaltet. Dabei

bezeichnet das amerikanische Wort Dating einen zwischenmenschlichen

Kennenlernprozess, der auf eine Bereitschaft zur Annäherung zielt (Pflitsch, Wiechers

& Moucha, 2015). Der Begriff Online fügt lediglich hinzu, dass dieser Prozess über das

Internet stattfindet (Skopek, 2012). Mit Hilfe von spezialisierten Webseiten wie zum

Beispiel Online-Kontaktbörsen wird somit der Prozess des zwischenmenschlichen

Kennenlernens erleichtert (Skopek, 2012). Bevor sich die Nutzer also Face-to-Face (in

einer realen Situation am selben Ort) treffen, haben sie so die Möglichkeit, über das

Dating-Portal zu interagieren (Finkel, Eastwick, Karney, Reis & Sprecher, 2012). Men-

schen suchen dabei meist einen Partner für eine intime Beziehung, sei es ein Freizeit-,

Sympathie

Vernarrt-

heit

vollendete

Liebe

leere Liebe

Intimität

Verbindlichkeit

romantische

Liebe

Leidenschaft

Kameradschaft-

liche Liebe


17

Lebens- oder auch Sexualpartner. Das Gegenteil zum Online-Dating bildet das soge-

nannte Offline-Dating, bei der auf herkömmliche Weise ein potentieller Partner in rea-

len Alltagssituationen und nicht über das Internet kennengelernt wird (Finkel et al.,

2012). Über 30 % aller Beziehungen entstehen heute online, wobei 16,4 % aller Ehen

ihren Ursprung im Internet haben (Pflitsch et al., 2015). Online-Dating ist somit zu ei-

ner normalen Möglichkeit geworden, um neue Bekanntschaften zu schließen (Whitty &

Carr, 2006).

Eine mittlerweile große Verfügbarkeit von Internetzugängen in der modernen Gesell-

schaft hat die technologische Grundlage für die online-gestützte Partnersuche geschaf-

fen. Die Möglichkeit, online nach Partnern zu suchen, gehört also immer mehr zur All-

tagsrealität und wird von einer stetig steigenden Anzahl an Internetnutzern genutzt. Laut

Statista GmbH beläuft sich 2015 die Anzahl der aktiven Nutzer von Online-Dating auf

8,4 Millionen Menschen. So wird die Online-Partnersuche neben den herkömmlichen

Methoden zu einer neuen Gelegenheitsstruktur für Singles (Bühler-Ilieva, 2006). Die

spezifischen Web-Plattformen dienen daher als digitale Partnermärkte,,,(...) da sie Po-

pulationen von Suchenden bündeln und entsprechende Möglichkeiten zur Herstellung

von Kontaktbeziehungen bereitstellen" (Skopek, 2012, S. 30). Bereits 2007 soll es

2.700 Dating-Seiten gegeben haben, auf denen über die Hälfte der Nutzer auf der Suche

nach einer festen Partnerschaft waren und aufgrund dessen auch bereit sind, für diese

Dienste Gebühren zu bezahlen (Geser, 2007).

Betrieben werden diese Online-Kontaktbörsen meist von kommerziell ausgerichteten

Unternehmen (Skopek, 2012). Pflitsch et al. (2015) klassifizieren diesbezüglich drei

wesentliche Dimensionen von Online-Dating-Angeboten: die Technik, z. B. Vermitt-

lungsverfahren oder Kontaktanzeigen zum Selbstsuchen; die Zielgruppe, z. B. Sexkon-

takte, Lebenspartner oder Flirts; und das Preismodell, z. B. Flatrates, kostenfrei, werbe-

finanziert oder Zahlung pro Aktion.

Das größte und bedeutendste Marktsegment ist laut Pflitsch et al. (2015) das klassische

Kontaktanzeigen-Portal wie beispielsweise Friendscout24, auf dem hauptsächlich 25­

50 Jahre alte Nutzer auf eine lockere Art mittels eines eigens erstellten Inserats nach

Flirts oder Dates suchen. Eine Weiterentwicklung der Idee der Online-

Partnervermittlung wie z. B. Parship.de oder Elitepartner.de setzt sich als zweitgrößtes

Marktsegment durch. Hier werden durch einen Eingangstest Persönlichkeitsmerkmale

gemessen, anhand derer eine Vorauswahl passender Partnervorschläge getroffen und für


18

die Nutzer als Unterstützung angezeigt wird. Vor allem befinden sich hier Singles über

30 Jahre (Pflitsch et al., 2015). Weitere Marktsegmente bilden die Nischenanbieter, die

sich auf spezifische Populationen wie religiöse oder behinderte Singles fokussieren

(z. B. handicap-love.de) und das Adult-Dating, bei der die Suche auf erotische Kontakte

ausgerichtet ist (Pflitsch et al., 2015). Trotz der Vielzahl an Angeboten und Unterschie-

den bleibt bei allen Portalen die Registrierung, die Erstellung eines Nutzerprofils sowie

eine Kontaktanbahnung mittels textbasierter Kommunikation erhalten (Skopek, 2012).

Vorteile des Online-Datings liegen besonders in der Unabhängigkeit von Raum und

Zeit, in der Anonymität der Nutzer sowie in einer großen Auswahl an potenziellen Part-

nern (Aretz, Demuth, Schmidt & Vierlein, 2010). Nutzer können demnach überall wo

sie Internet besitzen zu einer großen Anzahl an Singles Kontakt aufnehmen und darüber

hinaus entscheiden, welche persönlichen Daten sie von sich preisgeben möchten. Dabei

ist es irrelevant, welchen soziodemographischen und soziokulturellen Hintergrund sie

haben.

Valkenburg und Peter (2007) sowie McKenna, Green und Gleason (2002) beschreiben

Online-Dating-Nutzer als schüchtern, wenig äußerlich attraktiv, sozial ängstlich und

einsam, wobei andere Befunde zeigen, dass sie gesellig sind (Brym & Lenton, 2001)

und ein hohes Selbstvertrauen haben (Kim, Kwon & Lee, 2009). Die zwei stärksten

Prädiktoren für die Nutzung von Dating-Portalen liegen dabei in der Nutzung des Inter-

nets sowie gleichzeitig im Single-sein (Sautter, Tippett & Morgan, o.J.). Ebenso wird

nach einer Trennung oder einem Umzug häufig auf Online-Dating-Seiten zugegriffen.

Darüber hinaus nehmen vor allem alleinerziehende Personen oder Personen, die viel

arbeiten das Angebot des Online-Datings wahr (James, 2015).

2.2.2

Präferenzen bei der Partnerwahl

Neben der Art und Weise, wie Menschen ihren Partner suchen, besteht ein weiterer re-

levanter Fokus auf den Kriterien bzw. Präferenzen

2

, anhand derer Männer und Frauen

ihren potenziellen Partner auswählen. Der Begriff der Partnerwahl bezeichnet hier das

Ziel eines zwischenmenschlichen Prozesses, aus einer Population einen möglichst opti-

malen Partner zu erhalten (Neuwirth, 2008).

2

Laut Wood und Brumbaugh (2009) sind Präferenzen im Hinblick auf die Partnerwahl Eigenschaften

eines Menschen, von denen sich andere Individuen angezogen fühlen.


19

Die Wahl eines Partners kann durch viele verschiedene Faktoren wie beispielsweise

eigene Vorlieben, die Erreichbarkeit von Partnern oder durch die Einstellung der Eltern

beeinflusst werden (Neuwirth, 2008). Generell neigen Menschen dazu, sich zu einer

anderen Person hingezogen zu fühlen, wenn diese räumlich nahe ist und ein häufiger

Kontakt zueinander besteht (Zimbardo & Gerrig, 2008). Weiterhin zeigen Belege zu

dem Sprichwort Gleich und gleich gesellt sich gern, dass die Ähnlichkeit von Personen

im Hinblick auf Einstellung, Alter, Religion, physische Attraktivität oder Freizeitinte-

ressen etc. die Entstehung von Sympathien deutlich prägt (Neuwirth, 2008). Einer die-

ser Belege stammt von Dijkstra und Barelds (2008), bei denen Menschen den Ergebnis-

sen nach einen Partner suchen, der ihnen in Bezug auf ihre eigene Persönlichkeit ähnelt,

was ebenfalls mit der Zufriedenheit und Dauer von Ehen korreliert. Diese Paarbildung

aus alltagspsychologischer Sicht wird in der Wissenschaft als gerichtete Partnerwahl

bezeichnet (Klopp, o.J.). Diese kann einer Person das Gefühl von persönlicher Bestäti-

gung vermitteln, während Unähnlichkeit oft zu starker Abneigung führt (Zimbardo &

Gerrig, 2008). Der Ansatz der Komplementarität, der sich auf das Sprichwort Gegensät-

ze ziehen sich an bezieht, macht hingegen deutlich, dass auch komplementäre Eigen-

schaften einer Person, sprich Eigenschaften, die eine andere Person besitzt, und die man

selbst gerne besäße, attraktiv finden kann. So zum Beispiel sucht eine hilflose Person

eher nach einem Partner, der ihm Schutz und Halt gewährt (Neuwirth, 2008). Diese

Partnerwahl wird in der Wissenschaft als assortative Partnerwahl bezeichnet (Klopp,

o.J.). Ferner besagt das Prinzip der Reziprozität, dass Menschen häufig dazu tendieren,

diejenigen Menschen zu mögen, von denen sie glauben, auch gemocht zu werden

(Zimbardo & Gerrig, 2008). Ebenso spielt bei der Selektion von Kontaktpartnern die

Bedeutung des Bildungsniveaus eine entscheidende Rolle. Gerade vor dem Hintergrund

des Online-Datings dient die Bildung als ein wichtiges Signalkriterium, da aufgrund der

Anonymität eine viel größere Unsicherheit besteht und weniger Informationen zur Ver-

fügung stehen als im Alltag (Skopek, 2012). Ein weiterer interessanter Befund nach

Roberts et al. (2005) und Thornhill et al. (2003) zeigt die Bedeutung des Körpergeruchs

bei der Partnerwahl. Neben dem visuellen Sinn gibt der Geruch Auskunft über den

Gesundheitszustand sowie das Immunsystem des Gegenübers.

Da im Kontext dieser empirischen Arbeit Geschlechtsunterschiede eine zentrale Rolle

spielen, werden diese im darauffolgenden Kapitel hinsichtlich weiterer Partnerwahlkri-

terien getrennt betrachtet.

Hallo zusammen

Suche eine gute Single-Seite, wo man als Mann erfolgreich sein kann. Irgendwie habe ich den Eindruck, das die ganzen Single-Plattformen voller Fakes sind und das Frauen/Männer-Verhältnis zu unausgeglichen ist.

Könnt ihr mir eine gute Single-Plattform empfehlen?

Gruß Dennis

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3 Comments

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