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Mit dem Verstand stellt man sich Situationen vor, zu denen die Optionen führen könnten, und wägt ab, wie man sich in diesen Situationen fühlen würde. Eine beachtliche mentale Leistung, zu der nur Menschen fähig sind. Wer Gefühl oder Verstand verliert, verirrt sich im Dickicht der Möglichkeiten. So wie Elliot.

Auch wenn wir glauben, souverän zu entscheiden, lassen wir uns von Faktoren beeinflussen, die wir nicht einmal bemerken. , dass wir bei Entscheidungen dazu neigen, die uns vertrautere Alternative zu wählen. Die Forscher maßen die Hirnströme von Versuchspersonen in Entscheidungssituationen und beobachteten dabei, dass das Gehirn in den ersten Sekundenbruchteilen zunächst überprüft, welche Alternative ihm bekannter vorkommt – noch bevor es weitere Informationen aus seinem Gedächtnis hervorkramt. Die Forscher konnten anhand der zerebralen Aktivierungsmuster sogar die Entscheidungen ihrer Probanden vorhersagen, bevor diese sie bewusst trafen.

Nicht immer führt der Hang zum Vertrauten zu den besten Entscheidungen. »Das kann man etwa am Aktienmarkt beobachten«, sagt , einer der Forscher, »bekanntere Unternehmen werden dort oft nach oben katapultiert, allein wegen ihrer häufigen Nennung in den Medien. Das sagt jedoch nichts über den inneren Wert einer Aktie aus.« Hinter dem Phänomen steckt das Hormon . Es verschafft uns ein Gefühl der Belohnung, wenn wir etwas wiedererkennen. Die vertrautere Alternative lockt uns, auch wenn rational nichts für sie spricht. In den Gehirnen von Parkinson-Patienten sterben die Dopamin-empfindlichen Nervenzellen. Also werden die Betroffenen wechselhafter in ihren Entscheidungen.

Auch das Sexualhormon Testosteron pfuscht uns hinein. Studien zeigen etwa, dass es Investment-Banker höhere Risiken eingehen lässt. Wer etwas entscheidet, muss akzeptieren, dass seine Hormone heimlich mitentscheiden – und andere Faktoren, die mit der Sache wenig zu tun haben. Sogar die Tageszeit kann eine Rolle spielen. Israelische Forscher haben die Urteile eines Bewährungsausschusses in einem Gefängnis über den Tageslauf verfolgt und festgestellt, dass diese mit der Zeit immer härter wurden. Offenbar litten die Richter nachmittags an Entscheidungsübermüdung.

Wenn Gefühl und Verstand einander widersprechen, kommt es zur Kraftprobe. Ein bemerkenswertes Experiment dazu haben Ökonomen Ende der neunziger Jahre an der Stanford University durchgeführt. Die Forscher erklärten ihren Probanden, dass sie ihr Gedächtnis testen wollten. Mal mussten sich die Probanden zwei fragen an männer zum kennenlernen Ziffern merken, mal sieben. Dann schleusten die Forscher sie beiläufig fragen an männer zum kennenlernen an einem Buffet vorbei, an dem es Obstsalat und Schokoladentorte gab. In Wirklichkeit waren die Forscher gar nicht am Gedächtnis der Probanden interessiert, sondern an deren Wahl am Buffet. Und sie fanden einen erstaunlichen Zusammenhang: Je mehr Ziffern die Probanden gerade im Gedächtnis zu behalten versuchten, desto eher entschieden sie sich für die Torte. Wenn der Verstand abgelenkt ist, hat das Gefühl also freies Spiel.

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept, um zwischen Gefühl und Verstand zu schlichten. Dass der Weg dorthin nicht immer gerade ist, erlebte vor 300 Jahren der amerikanische Erfinder und Staatsmann , als er von einem jungen Mann, der sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden konnte, um Rat ersucht wurde. empfahl ihm, auf einem Blatt Papier jeweils die Vorteile und die Nachteile der einen wie der anderen Frau zu notieren. Dann solle er zählen und jene Frau nehmen, auf deren Positiv-Seite mehr Punkte stehen. Der junge Mann tat es. Als die Siegerin feststand, wurde ihm aber schnell klar: Er wollte eigentlich die andere Frau. Die nahm er dann auch. Der Verstand hatte nicht gesiegt, aber dem Gefühl auf die Sprünge geholfen.

Jeder kennt das Gefühl, sich partout nicht entscheiden zu können. Dann tut man gut daran, die Wahl auf morgen zu vertagen und drüber zu schlafen. Nichts wirkt harmonisierender auf ein dissonantes Seelenleben als ein Nickerchen oder eine Nachtruhe. Das zeigt eine wachsende Zahl von Studien. Die besten Entscheidungen trifft man im Schlaf.

Entscheiden unter Stress

Wenn bei Stefan Oppermann der Notruf eingeht, dann ist etwas besonders Schlimmes passiert. Dann ist ein Bus verunglückt, ein Zug entgleist, steht ein Krankenhaus in Flammen. Oppermann ist Leitender Notarzt der Stadt ; sein Job ist es, Großeinsätze mit vielen Verletzten zu koordinieren. Er muss die Notärzte und Sanitäter vor Ort anleiten und festlegen, welche Patienten wie schnell in welches Krankenhaus kommen. Seine Anweisungen können über Leben und Tod entscheiden.

»In so einer Situation prasseln viele Eindrücke auf mich ein«, sagt Oppermann. »Die muss ich dann schnell sortieren.« Genau das fällt den Menschen jedoch normalerweise schwer, denn Stress ist eine denkbar schlechte Voraussetzung, um gute Entscheidungen zu treffen. Stress blockiert das Denken. »In bedrohlichen Situationen schüttet das Gehirn Noradrenalin aus«, sagt der Bremer Hirnforscher . Der Botenstoff lässt uns blitzschnell reagieren, schaltet aber weite Teile der Großhirnrinde ab. »Rationale Entscheidungen sind dann praktisch nicht mehr möglich«, sagt. Wir rennen weg oder erstarren, und wer etwas tut, macht oft genau das Falsche.

Stefan Oppermann kennt das Problem: »Ein sehr guter Klinikarzt kann da draußen komplett versagen.« Etwa, wenn er sich auf den erstbesten Verletzten stürzt, obwohl ein anderer viel dringender Hilfe braucht.

Damit so etwas nicht passiert, gibt es Leitende Notärzte wie Oppermann, die den Überblick behalten. Zudem bereiten Übungen mit nachgestellten Hausbränden oder Verkehrsunfällen und gespielten Opfern Einsatzkräfte auf den Ernstfall vor. »Diese Szenarien müssen sitzen«, sagt Oppermann.

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